Was ist VSME?
VSME steht für „Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed Small and Medium-sized Undertakings“. Entwickelt wurde er von EFRAG (European Financial Reporting Advisory Group) — der gleichen Organisation, die auch die ESRS-Standards der CSRD verantwortet. VSME ist explizit als schlanker Standard für KMU konzipiert, die nicht börsennotiert sind und unter den CSRD- Schwellenwerten liegen.
Geschichte: EFRAG-Entwicklung 2024, EU-Empfehlung Juli 2025
EFRAG hat den finalen VSME-Entwurf im Dezember 2024 publiziert, nach Konsultationsphase und Pilotanwendung mit Hunderten KMU. Am 30. Juli 2025 hat die EU-Kommission den Standard per offizieller Empfehlung adoptiert — mit dem ausdrücklichen Ziel, den Lieferketten-Druck auf KMU zu strukturieren und proportional zu gestalten. Damit ist VSME kein Pflicht-Standard, aber ein EU-empfohlener Referenz-Standard, den Großkunden akzeptieren sollen.
Basic-Modul (B1–B11) — wann reicht das?
Das Basic-Modul deckt rund 100 Datenpunkte über 11 Themen ab:
- B1–B2: Allgemeine Angaben + Berichts-Grundlagen
- B3: Energie und Treibhausgase (Scope 1+2)
- B4: Umweltverschmutzung
- B5: Biodiversität
- B6: Wasser
- B7: Ressourcen + Kreislaufwirtschaft
- B8: Eigene Belegschaft
- B9: Wertschöpfungskette (Mitarbeitende)
- B10: Verbraucher und Endverwender
- B11: Geschäftsverhalten
Das Basic-Modul reicht für Mikrobetriebe und für viele Lieferketten- Anfragen, wenn der Großkunde keinen Comprehensive-Output verlangt.
Comprehensive-Modul (C1–C9) — wer braucht es?
Das Comprehensive-Modul ergänzt rund 42 zusätzliche Datenpunkte. Es ist sinnvoll für:
- KMU mit 50–250 Mitarbeitenden, die EcoVadis Silver/Gold anstreben
- Zulieferer, die als Tier-1 oder Tier-2 in CSRD-pflichtige Wertschöpfungsketten eingebunden sind
- Unternehmen mit eigenen Reduktionspfaden (Scope-3-Detail- Erfassung, Net-Zero-Roadmap)
C1 deckt strategische Aspekte ab (Geschäftsmodell, Werte, ESG-Strategie); C2–C9 betreffen detailliertere Klimaszenarien, Lieferketten-Risiken und Governance-Strukturen.
Das „if applicable“-Prinzip
Anders als die ESRS-Doppelte-Wesentlichkeit verlangt VSME keine formale Materialitätsanalyse. Datenpunkte sind nach „if applicable“ zu beantworten: Wenn ein Thema für Ihren Betrieb nicht relevant ist (z. B. Biodiversität für ein reines Software-Unternehmen), dürfen Sie es begründet weglassen. Das reduziert die Komplexität für KMU drastisch — und schließt eine der größten Hürden der ESRS-Anwendung.
Unterschied zu ESRS
ESRS: 12 Standards, ~1.100 Datenpunkte (Vereinfachung Dezember 2025: ~400), formelle Doppelte Wesentlichkeit, externe Prüfung Pflicht.
VSME: 1 Standard, ~140 Datenpunkte (Basic + Comprehensive), „if applicable“-Prinzip, externe Prüfung freiwillig.
VSME ist also nicht „ESRS light“, sondern ein eigenständiger, proportional skalierter Standard für KMU.
Welche Großkunden VSME bereits akzeptieren
Nach EU-Empfehlung haben mehrere Tier-1-OEMs (BMW, Bosch), FMCG-Konzerne (Henkel, Beiersdorf) und Maschinenbau-Großunternehmen (Trumpf, Siemens) signalisiert, VSME als gültigen Input zu akzeptieren — wahlweise direkt oder als Mapping in ihre eigenen Lieferanten-Fragebögen. Genau dieses Mapping bietet CSRD Easy.